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Helgoland

72 Stunden auf der Roten Insel

Tag 1

Nach einer rund 2,5 stündigen, etwas ruppigen Überfahrt von Cuxhaven, lag sie vor uns - die rote Insel, besser bekannt als Helgoland. Neben dem stürmischen Wind, taten die Bewölkung und die niedrigen Temperaturen ihr übriges, um sie mehr grau als rot wirken zu lassen. Nachdem wir unser Quartier im Unterland

bezogen hatten, erkundete ich die Gegend um Lebensmittel für die kommenden Tage zu besorgen.

Am Nachmittag ging ich am Leuchtturm vorbei  Richtung Lange Anna, um zu sehen, ob dort schon ein paar Vögel Quartier bezogen hatten. Schon bevor man die eigentlichen Brutkolonien erreicht hat, wird man von Rufen zahlreicher Vogelkehlen begrüßt  - Basstölpel. Diese malerischen Vögel mit ihrer feinen Linienführung am Kopf besetzten schon etliche Brutplätze an den Klippen und kümmerten sich um Nestbau, Balz und das Verteidigen ihres Brutplatzes. Obwohl das Wetter recht trüb war, faszinierten mich diese Vögel, so dass ich beschloss erste Fotos zu schießen. Bei genauerem Hingucken entdeckte man auch den ein oder anderen Eissturmvogel oder eine Dreizehenmöwe. Leider hatte ich neben meinem Stativ auch meine Handschuhe in der Ferienwohnung gelassen, so dass ich, nachdem ich mein 300er rund eine Stunden in den rauen Wind gehalten hatte, die Basstölpel fürs erste alleine ließ.

         

Tag 2

Obwohl nachts sternenklar, war es am kommenden Morgen leider genauso bewölkt und kalt wie am Vortag. Trotzdem machte ich mich wieder auf den Weg zu den Klippen. Dieser Einsatz wurde belohnt, denn neben den Basstölpeln vom Vortag waren jetzt auch zahlreiche Trottellummen dort zu bewundern. Diesmal - mit Stativ und Handschuhen - konnte ich stundenlang dem Treiben auf den roten Felsen zusehen und es fotografieren. Während die Trottellummen relativ regungslos auf einem winzigen Stück Felsen ausharrten, hatten die Basstölpel sich aus den Resten zerfetzter Fischernetze Nester gebaut und verteidigten diese nun gegen Ihre Artgenossen. Auch das typische Balzritual mit dem möglichen Partner ließ sich wunderbar beobachten. Sie wurden des Balzens nicht müde und unterbrachen es nur von Zeit zu Zeit, um andere Vögel wieder in ihre Schranken zu weisen. Am spektakulärsten war jedoch der Auftritt einzelner Vögel, die sich mit stolz erhobenen Haupt und einem wehklagendem Laut von den Felsen stürzten. Doch kurz nach dem geschauspielerten Todessprung fingen sie diesen gekonnt ab und schwebten davon. Nach rund 2 Stunden verließ ich meine - fototechnisch - beinah perfekt eingerichtete Beobachtungsstation, um eine Kleinigkeit zu essen und die Bilder zu sichern.

Aber schon am Nachmittag kehrte ich wieder zu den roten Klippen mit ihren zahlreichen gefiederten Bewohnern zurück. Doch die Trottellummen war spurlos verschwunden. Nur die Basstölpel mit ihren Aktivitäten war auf den Felsen zurück geblieben. Nach ein paar einigen Stunden beobachten und fotografieren, kamen dann auch glatt noch ein paar Sonnenstrahlen aus den Wolken zum Vorschein und tauchten die Szene in eine neues Licht. Der ebenfalls aufkommende Wind verleitete die Basstölpel zum Fliegen, so dass sich mir nun zahlreiche Möglichkeiten  boten, Flugaufnahmen von den Basstölpeln zu machen. Dabei konnte man vor Bewunderung feststellen, dass sie hervorragende Flieger, oder besser gesagt Gleiter sind. Denn sie wussten die an den Klippen entstehende Thermik ausgesprochen gut zu nutzen. Erst kurz nach Sonnenuntergang ließ mich das untergehende Licht meinen Fototag beenden und nach Hause zurück kehren.

 

 

Tag 3

Am Morgen hatte es zu allen Widrigkeiten (der Kälte und des kaum vorhandenen Sonnenscheins) auch noch angefangen zu regnen. Ich nutzte die Zeit, um die Bilder vom Vortag zu sichten. Am Nachmittag schien das Wetter  besser zu werden und eine Überfahrt mit der Witte Kliffe zur Düne eine gar nicht so schlechte Idee. Neugierig auf die zweite Insel und auf die Seehunde, die ich mit etwas Glück dort antreffen würde, ging ich an Bord. Gerade mal fünf Minuten später war ich dort. Leider hatten mit mir auch eine größere Gruppe Touristen übergesetzt, die am Strand spazieren gehen wollten. Also musste ich mich beeilen, die Seehunde vor die Linse zu bekommen, bevor sie von den Touristen vertrieben wurden. Schnell zog mein Schritt mich Richtung Südstrand und dann - etwa auf Höhe des Leuchtturmes -  konnte ich schon die ersten zwei Seehunde ausmachen. Mit Bedacht setzte ich Fuß vor Fuß und kam so bis auf etwa 30m an sie heran. Sie schienen sich daran  nicht zu stören. Mit meinem 300er und dem 1,4fach Extender waren sie genau in Fotoreichweite und meine ersten Seehundfotos waren im Kasten. Leider ging die Touristengruppe von der Fähre, wie ich es befürchtet hatte, direkt am Wasser entlang auf die Seehunde zu. Als sie den Seehunden dann zu nahe kamen, machten sie sich aus dem Staub und verschwanden im Meer. Leicht enttäuscht packte ich meine Sachen und versuchte an der Gruppe vorbei zu kommen - vielleicht hatte ich bei den nächsten Seehunden mehr Glück. Falls ich noch welche finden sollte.

Doch das Glück blieb mir an diesem Tag an der Seite und nur ein paar hundert Meter weiter hinter einem Wellenbrecher, traf ich  auf ein Gruppe Kegelrobben. Völlig unerwartet, da sie hinter den Steinen gut getarnt und versteckt waren. Sie lagen dösend am Strand und es störte sie überhaupt nicht, dass ich mich zu ihnen gesellte, nachdem die Touristengruppe sie offenbar übersehen hatte. Ich ließ mich in aller Ruhe nieder und widmete mich den Kegelrobben. Auch wenn sie nicht besonders viel Action zeigen, so faszinierte mich ihr Anblick doch. Und sie blieben nicht die einzigen Fotomotive an dieser Stelle. Eine Gruppe Sanderlinge und Steinwälzer war hier ebenfalls unterwegs, um den Strand nach etwas essbarem abzusuchen. Dabei schienen sie keine Notiz von mir zu nehmen und kamen bis auf wenige Meter an mich heran, so dass ich sie formatfüllend ablichten konnte. Zwischendurch erhob sich der ein oder andere Robbenkopf. Vielleicht wollten sie sich von Zeit zu Zeit vergewissern, dass ich wirklich keine Bedrohung darstelle.  Da das scheinbar nicht der Fall war, dösten sie kurz drauf weiter. Plötzlich lenkte eine Bewegung links von mir meine Aufmerksamkeit auf sich - zwei spielende Seehunde tauchten ein paar Meter vor mir entfernt aus den Fluten auf. Zwar standen überall Schilder, dass man sich den Seehunden und Robben nicht mehr als 30m nähern sollte, doch schienen sich diese beiden Seehunde nicht daran halten zu wollen. Sie nahmen zwar kurz Notiz von mir und guckten mich mit ihren großen dunklen Augen an, um dann aber wieder in ihr Spiel zu verfallen. Nie im Leben hätte ich mir träumen lassen, einmal zwei Seehunde so dicht vor die Linse zu bekommen. Auch das Auslösegeräusch meiner Kamera schien sie nicht zu stören. Nach rund einer halben Stunde hatten sie genug vom Spiel und verschwanden wieder in den Weiten des Meeres - zumindest fast, denn einer der beiden Seehunde kehrte nach einiger Zeit zurück und machte sich auf den Weg in Richtung der Kegelrobben. Hier suchte er sich dann ein gemütliches Plätzchen, um sich vom anstrengenden Spiel zu erholen.

Um kurz vor 16 Uhr musste ich mich dann auf den Weg zurück machen, bevor die letzte Fähre zurück ohne mich ablegte. Danach hieß es dann Fotos sichern und Tasche packen, denn am nächsten Morgen um 8 Uhr würde die MS Funny Girl mich zurück nach Cuxhaven bringen. Das könnte eine interessante Überfahrt werden, denn der Wetterbericht hatte Regen und Windstärke 6 angesagt. Doch am nächsten Morgen traute ich meinen Augen nicht - Sonne und blauer Himmel weckten mich aus dem Schlaf. Ausgerechnet heute musste das Schiff um 8 Uhr fahren und nicht um 16 Uhr wie an den anderen Tagen. Das bedeutet wohl, dass ich noch einmal bei Sonne nach Helgoland zurückkehren muss.

Weitere Fotos von Helgoland und der Düne finden Sie in der Fotogalerie!

 

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© by Tom Finke 2009