Fotografien von Tom Finke

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Erste Eindrücke zur Canon EOS 1d Mark III

Äußerer Eindruck:

 

Äußerlich gleicht die 1d Mark III auf den ersten Blick der bisherigen 1d Mark II N. Als erster Unterschied sticht der silberne Blitzschuh auf der Kameraoberseite ins Auge. Auch auf der Rückseite der Kamera hat sich so einiges geändert. So sind die auf der 1d Mark II N bisher links angeordneten Bedienknöpfe verschwunden. Lediglich die Knöpfe für "Menu" und "Info" sind geblieben, jetzt aber links neben dem Sucher angeordnet. Notwendig geworden war die durch die Vergrößerung des Displays auf 3,0 Zoll. Leider bringt die Änderung des Designs auch einen Nachteil - da das 3"-Display direkt links angeordnet ist, verschmiert man mit seiner Nase ziemlich oft das Display, zumindest, wenn es etwas wärmer ist und man leicht anfängt zu schwitzen (mit Sonnencreme auf der Nase wird´s bestimmt noch besser:-)) ).

Auch rechts neben dem Display hat sich einiges geändert. So hat sich das alte Design verabschiedet und es ähnelt nun eher den Kameras der Reihe 10d, 20d und 30d. Erfreulich aus meiner Sicht in sofern, dass die 1d Mark III nun auch mit dem alt bekannten Multikontroller-Joystick ausgestattet ist, der in vielen Fällen das Bedienen der Kamera über das Hauptkontrollrad und dem Schnelleinstellrad überflüssig macht (z.B. bei der Bedienung des Menüs oder beim Navigieren durch vergrößerte Bildanzeigen). Weiterhin gibt es eine LCD-Anzeige mit den wichtigsten Infos auf der Rückseite, die sich aber lediglich von der Anordnung und dem Design der Elemente ein wenige geändert hat. Auch die obere LCD-Anzeige hat sich im wesentlichen nicht geändert. Neu ist allerdings, dass die beiden LCD-Anzeigen nun in blau leuchten, falls man die Beleuchtung einschaltet. Ebenfalls neu sind die, auf der von hinten gesehen linken Kameraseite, angebrachten Halterungen für die Wireless-File-Transmitter-Einheit.

Etwas unpraktisch finde ich allerdings, dass man, um das Schnelleinstellrad benutzen zu können, den Power-Schalter auf Position 2 stellen muss und es nicht mehr, wie beim Vorgänger, einen extra Schalter gibt. Dass ist für Umsteiger erst mal gewöhnungsbedürftig. Geblieben sind auch die abgedichteten Kameraelemente, die einen Spritzwasserschutz gewährleisten.

 

Ergänzung: Interessanter Weise bei der 1d Mark III gegen über den bisherigen Canon DSLR-Modellen die Befestigung für die Augenmuschel bzw. den Winkelsucher geändert worden. War es bisher der Anschluss EC-C (wie bei 1er, 5d, 10d-30d und 300d-400d) dieser auf den Anschluss der analogen 3er geändert worden. Somit lassen sich nun NoName-Winkelsucher nicht mehr benutzten, es sei denn man bekommt irgendwo her einen entrechenden Adapter. Der Winkelsucher "C" aus dem Hause Canon hat einen entsprechenden Adapter Ed-C im Lieferumfang.

 

Handling

 

Zunächst einmal fällt beim Auspacken der Kamera auf, dass der Akku ein komplett neues Model ist - erstmalig ein Lithium-Ionen-Akku mit 2300mhA und 11,1V. Laut Handbuch soll dieser für rund 2300 Fotos reichen, was aber noch etwas untertrieben scheint, da ich gerade mit einer Akku-Ladung 1440 Fotos gemacht habe und der Akku noch zu 78% voll ist. Angenehm ist ebenfalls, dass der Akku kleiner ist, weniger wiegt und der bisherige Sicherheitsriegel verschwunden ist. Geöffnet wir das Akkufach nur noch mit dem Drehknebel an der Seite. Somit kann man den Akku auch locker mit einer Hand auswechseln. Die Bedienung mit den neuen Bedienelementen und der neuen Menüführung ist einfach und logisch aufgebaut. Auch Umsteiger von der 1d Mark II N haben sich nach kurzer Zeit an dieses Bedienkonzept gewöhnt, welches eine schnellere Bedienung der Kamera möglich machen.

 

Ergänzung: Habe nun mit der Kamera auf zwei Leichtathletiksportfesten, einem Fotoshooting und einen Besuch in der Adlerwarte fotografiert, ohne den Akku nachzuladen - Resultat: über 5600 Fotos und Akku ist erst bei 15 %, obwohl ich immer wieder die Fotos am Bildschirm kontrolliert habe!! - Ich bin begeistert über dieses Energiewunder:-))

 

Fotografieren

 

Kommen wir nun zum wichtigsten Teil  - dem Fotografieren. Ein angenehmes Arbeiten ermöglicht der neue Sucher, der scheinbar noch ein bissel größer und Heller geworden ist. Ebenso angenehm fällt das neue Spiegelschlaggeräusch auf, dass ein wenig dezenter gehalten worden ist. Wer es noch leiser mag, für den gibt es jetzt einen Silent-Mode, bei dem der Spiegel zwar genauso schnell hoch aber langsam wieder runter gelassen wird. Ob man damit aber Tiere beim Ansitz weniger erschreckt - die Erfahrungen werden es zeigen. Echt beeindruckend ist auch die Zielgenauigkeit und Geschwindigkeit des AF, der, wenn man ein wenig geübt ist, eine Ziel, dass er einmal erfasst hat, so schnell nicht wieder los lässt. Dabei lässt er sich auch von den 10B/s nicht groß aus der Ruhe bringen. Eingehendere Test werden aber auch hier noch folgen. Ein Wahnsinn ist dabei die Datenmenge, die bei 10B/s und dem riesigen Pufferspeicher erzeugt wird. Wer den Dauerfeuermodus liebt, der kann sich schon mal nach ein paar neuen Externen Festplatten umschauen, denn selbst Jpg-Dateien haben in Qualitätsstufe 9 (sRGB) zwischen 2 und 6 MB.

Einen etwas negativen Eindruck mach der neue 3"-Display, der gerade im Menümodus etwas pixelig wirkt, was wohl daran liegt, dass er nach wie vor nur ca. 230.000 Pixel hat. Beeindrucken ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der die Mark III zwischen Fotos umschaltet. Wenn man also das Hauptwahlrad zügig dreht, kommen die Fotos im Display zügig mit.

 

Ergänzung: Habe an der Mecklenburger Seenplatte Hirschkühe fotografiert - erst im Silent-Mode um sie nicht zu erschrecken - nachdem sie sich aber vom Auslösegeräusch nicht irritieren ließen wurde ich mutiger und stellte auf Normal-Modus. Resultat: Auch hiervon ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen und sie kamen sogar auf unter 10m an mich heran. Vom Autofocus bin ich nach wie vor begeistert - muss allerdings sagen, dass ich bisher nur bei trüben Wetter fotografieren konnte. Ein Autofocusproblem bei grellem Licht, von dem in einigen Internetforen berichtet wird, kann ich weder bestätigen noch verneinen. Positiv aufgefallen ist mir allerdings, dass der Autofocus bei weiter entfernten Objekten (wie z.B. Greifvögeln) wesentlich präziser arbeitet als der der 1d Mark II N und wenn er einmal sei Ziel hat, hält er es auch sicher. Hat der AF durch den Benutzer einmal sein Ziel verloren - so z.B. bei schlechtem Wetter mit wenig Kontrast, so dauert es bei 10b/s durchschnittlich 3 Bilder (also 2 unscharfe und dann wieder scharf) zumindest bei meinen Tests in Verbindung mit einem 4,0/400er DO.

 

Ein Tipp noch für die Verwendung der Mark III: Unbedingt im Menü unter den Individualfunktion unter C.FnIII unter Nr. 5 die Schärfensuche auf "ein" umschalten, da ansonsten der AF im Servobetrieb wenn die Kamera das anvisierte Ziel verloren hat, auch nicht im AF-Bereich nach einem möglichen Ziel sucht. D.h. z.B. ganz konkret, dass die Kamera einen grau-braunen Seeadler vor einem Schilfgürtel auch nicht mehr sucht, wenn man ihn aus dem AF-Feld verloren hat.

 

Bildqualität

 

Die Bildqualität hat sich, sofern sich das nach einem kurzen Test beurteilen lässt, gegenüber der 1d Mark II N noch einmal verbessert. So ist die Bildgröße von 3504x2336 Pixel auf 3888x2592 Pixel gestiegen, was es einem ermöglicht, doch noch den ein oder anderen Ausschnitt zu machen und trotzdem noch Fotos auf DIN-A3-Größe in guter Qualität auszudrucken.

Erfreulich ist besonders, dass noch mal verbesserte Rauschverhalten. So ist der ISO 3200 durchaus mit dem ISO 1600 der 1d Mark II N zu vergleichen. Diese Tatsache ist besonders erfreulich für die Hallensportfotograf unter uns, für die es immer ein bissel zu wenig Licht gibt. Und als kleinen Bonbon gibt es ja nun auch noch ISO 6400 - was immer noch akzeptable Fotos erlaubt (zumindest für die meisten Printmedien). Out of the Box machen die Jpg-Fotos einen guten Eindruck, der, falls die Kamera gut eingestellt ist, kaum noch der Nachbearbeitung bedarf, was für Sportfotografen eine große Arbeitserleichterung darstellt.


Hier mal noch drei kurze Testfotos (100%-Crop ohne Nachbearbeitung) des Rauschverhaltens, qualitativ nicht besonderes:

 

ISO 1600

ISO 3200

ISO 6400

 

Fazit

 

Die 1d Mark III ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung der bisherigen 1er-Reihe mit vielen sinnvollen Verbesserungen, die sich viele Fotografen schon länger gewünscht haben, als da wären:

 

Verbesserungen/Vorteile:
Leistungsfähigerer Akku, mit einerfacherer Bedienung

Übernahme der Multifunktionsjoysticks aus der Reihe der 10d, 20d, 30d

Wegfall der "Zweihand-Bedienung" (Taste gedrückt halten plus eines der Drehräder bedienen)

Verbessertes (schnelleres) AF-System

High-Speed-Serienbildmodus mit bis zu 10B/s bei dem sich die Geschwindigkeit der B/s nun über das Kameramenü ohne PC direkt ändern lässt.

größerer Pufferspeicher

auch viele andere Einstellung, wie z.B. minimal und maximale Blende, min und max Belichtungszeit lassen sich nun ohne PC direkt übers Menü steuern.

10 MPixel (ist zwar auch nicht elementar wichtig, aber man kann nun doch noch den ein oder anderen Ausschnitt wagen)

Staubgeschützter Sensor (ist zwar nicht elementar wichtig, aber für machen Outdoorfotografen nicht uninteressant):

Verbesserung des Rauschverhaltens um mindestens eine Stufe gegenüber der 1d Mark II N

Einführung des ISO 6400-Bereiches (gerade für Hallensportfotografen nicht uninteressant)

größerer und hellerer Sucher.

 

 

"Verschlechterung"/Nachteil:
das Schnellwahlrad auf der Rückseite lässt sich nur noch aktivieren, in dem man den Power-Schalter auf Pos. 2 stellt.

Durch das größere Display und dem damit einhergehenden verschwinden der Knöpfe am linken Kamerarand, "verschmiert" man mit der Nase ständig das Display.

Display hat trotz Vergrößerung nur 230.000 Pixel, wodurch er manchmal "pixelig" wirkt.

 

Probleme mit 1d Mark III

 

Wie inzwischen auch Canon bestätigt hat, arbeitet die 1d Mark III nicht immer ganz zuverlässig. So hat der AF im AI Servo-Betrieb manchman Schwierigkeiten damit, auf dem anvisiertem Objekt zu bleiben. In wieweit man davon betroffen ist hängt natürlich ganz vom Einsatzgebiet der Mark III ab. Wer sie wie ich größtenteils für die Fotografie von kleinen und schnell bewegten Objekten benutzt ist da sicherlich stärker betroffen, als jemand, der größere und langsame Bewegungen fotografiert.

 

Ein weiteres Problem bei der Mark III ist der zufällig auftretende Error 99 - für den es aber noch keine zutreffende Erklärung gibt. Meiner Meinung nach tritt dieses Problem vermehrt auf, wenn die Kamera in kalter Umgebung eingesetzt wird.

 

Bleibt also zu hoffen, dass Canon in diesen beiden Punkten schnellstmöglich für Abhilfe sorgt.

 

Update: Meine 1d Mark III wurde zwischenzeitlich gefixt, wobei die Submirror-Einheit und ein Stopper des Spiegels getauscht wurden. Die Probleme mit dem Error 99 sind behoben, in wieweit der AF nun besser arbeitet werde ich nach eingehenden Test hier berichten.

 

 

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© by Tom Finke 2009